Der Irrsinn der Normalität

Nachdem die Notwendigkeit antifaschistischen Widerstands in den letzten Jahrzehnten von bürgerlichen Kräften bestritten wurde und rechte Zustände so an den äußeren Rand gedrängt worden sind als wären sie ein pathologisches Ausnahmephänomen, das man so hinnehmen müsse, rächte sich die Überheblichkeit und inkonsequente Haltung des Bürgertums im Ergebnis der Bundestagswahl, dem damit verbundenen zweistelligen Abschneiden der rechtspopulistischen Partei AfD und der Verrohung und Spaltung des gesellschaftlichen Lebens. Das Bürgertum steht vor der Aufgabe, sich zu entscheiden. Auf rechter Seite versuchen politische Kräfte, die soziale Frage zu ethnisieren, auf linker Seite wird versucht, die soziale Frage als gesamtgesellschaftliches Problem zu erklären. So sollten es Linke zumindest tun.

Was Sarah Wagenknecht zum Ergebnis der Wahl anzumerken vermochte, war Folgendes: „Gut möglich ist, dass auch wir es uns in der Flüchtlingspolitik zum Teil zu leicht gemacht haben. So konnte der Eindruck entstehen, die AfD sei die Einzige, die Probleme anspricht, die durch ankommende Flüchtlinge in einem kaputt gesparte Land entstehen.“
Das widert mich an. Anstatt konsequent zu bleiben und gegen rassistische Schwachköpfe Stellung zu beziehen, fischt Wagenknecht lieber am rechten Rand und ethnisiert die soziale Frage.

Auch Lafontaine positionierte sich und schrieb: „Der Schlüssel für diese mangelnde Unterstützung durch diejenigen, die sich am unteren Ende der Einkommensskala befinden, ist die verfehlte ‚Flüchtlingspolitik‘. […] Man darf die Lasten der Zuwanderung über verschärfte Konkurrenz im Niedriglohnsektor, steigende Mieten in Stadtteilen mit preiswertem Wohnraum und zunehmende Schwierigkeiten in Schulen mit wachsendem Anteil von Schülern mit mangelnden Sprachkenntnissen nicht vor allem denen aufbürden, die ohnehin bereits die Verlierer der steigenden Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sind.“
Auch er tut damit nichts anderes als Wagenknecht. Auch er ethnisiert die soziale Frage. So sieht Antirassismus aus. Nicht. Wenn wir so weiter machen, wird die SPD nicht nur die zahlenmäßig größere Opposition sein. Sie wird auch die bessere Opposition sein, wenn wir so einen Scheisz faseln.

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