Es wird persönlich (und mal nicht politisch)

Reden wir über Krankheiten. Ohne Joke jetzt, ernstes Thema. Dank Internet und diversen Blogs liest man von Betroffenen jeglicher Krankheiten, von Knochenerkrankungen bis Krebs bis psychischem Leiden oder anderen Schicksalsschlägen. „Dank“ deswegen, weil es (mir) Kraft gibt, von anderen zu lesen, wie sie trotz gesundheitlichen Einschränkungen ihr Leben meistern und genießen. Ich möchte an dieser Stelle auch einfach mal erzählen, über mich und so. Mir tut es gut, das hier zu schreiben – und vielleicht kann ich anderen Mut geben.
An mir gingen schwere Krankheiten und Schicksalsschläge eigentlich immer vorbei. War immer relativ gesund, nur mal eine Erkältung oder ein gebrochener Arm. Nichts Drastisches also. Alles gut. Bis ich 13 war zumindest. Mit 13 bekam ich einen harten Schlag: Diagnose Leukämie. Die Chemotherapie begann sofort, die Haare fielen aus, dauerhafte Angst zu sterben, Depression, Leben auf Stopp, keine Schule, keine Kindheit/Jugend, ein Jahr Krankenhaus. Irgendwie hab‘ ich das geschafft. Fragt mich nicht wie. Meine geliebte Mama und mein Stiefdad waren immer da. Das war sicher ein Grund, das irgendwie zu überstehen.

Es gab Momente, an denen wollte ich aufgeben. Es gab Momente, da wollte ich sterben. Es gab sogar einen Moment, da war es fast soweit: Nebenwirkung der Chemo – Diabetes – Überzuckerung – Intensivstation – Nahtoderfahrung. Ich bin heute gefasst, wenn ich über diesen Moment nachdenke. Ehrlich: Es war schön. Nicht das Sterben, sondern der Moment an sich. Es hat mit geholfen, selbst wenns nur Halluzinationen durch Dimethyltryptamin (der Stoff, den der menschliche Organismus beim Sterben ausstößt) waren. Ich habe meine Familie gesehen. Meine Mama. Meine Oma. Mich. Wir lachten, wir liebten, wir lebten. Es war ein Kreislauf, eine Spule der Wiederholung meines bescheidenen Lebens. Bis „das weiße Licht“ kam. Davon las ich bis dahin immer, niemals konnte ich mir vorstellen, dass es existiert. Es war da und in ihm habe ich Vida gesehen. Vida war ein Mädchen auf meiner Krebsstation. Ich fütterte sie oftmals. Bis sie starb. Im hellen Licht war sie aber wieder lebendig. Sie stand dort einfach und lächelte mich an. Ich weinte innerlich, nicht nur vor Trauer, sondern auch vor Glück. Als ich aus dem Nahtod wieder aufwachte, begriff ich das alles gar nicht wirklich. Heute weiß ich aber zumindest eines: der Krebs hat mir geholfen, stark zu werden, nicht aufzugeben, immer irgendwie was Positives zu sehen, selbst wenn alles Scheisze scheint. Heute bin ich gesund, zumindest die Leukämie ist weg. Ich lebe. Geil, verdammt, auch wenn mich nun andere gesundheitliche Querelen plagen. Morbus Crohn heißt nun mein „neuer“ Feind. Egal. Der Krebs ist weg, die CED bekomm ich auch noch unter Kontrolle. Ich lebe. Geil, verdammt.

Ich schreib das hier, um euch vielleicht was mitzugeben. Gebt nicht auf, blablabla. Könnte ich hier alles schreiben. Hat man aber schon so oft gelesen. Egal. Ich will sagen: Findet euch selbst, versucht es zumindest. Und ja; gebt nicht auf. Seid stark. Man kann (fast) alles schaffen (außer vielleicht die SPD sozialdemokratisch zu machen, hehe*). Wer auch immer das liest: Fühlt euch alle geknuddelt. Lacht bitte alle ganz viel. Lachen ist toll und Lachen ist wichtig. L’Chaim! Auf das Leben!

*Ein Bisschen Politik musste dann doch sein.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s