Wie Susanna dreimal Opfer wurde

Ich wurde gebeten, etwas zu Susanna zu schreiben.

Am Freitag debattierten die Abgeordneten des Bundestages in aller Frühe über die Geschäftsordnung. So war es zumindest geplant, bis Thomas Seitz, Abgeordneter des völkisch-nationalistischen Flügels der AfD, an das Mikrofon herantrat. Er redete von Susanna, einem 14-jährigem Mädchen, das von einem Asylbewerber in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet wurde. Der Täter flüchtete in den Irak, konnte aber inzwischen wieder nach Deutschland gebracht werden und gestand dort die Tat. Ihm wird hoffentlich eine langjährige Haftstrafe erwarten, das ist klar. Thomas Seitz ist das aber nicht genug. Eine Schweigeminute forderte er in seinem Redebeitrag. Das war zuvor weder angekündigt noch kann man erwarten, dass er das wirklich ernst meinte. Susanna wurde dreimalig Opfer: erst durch die widerwärtige Tat der sexuellen Misshandlung, dann durch Ermordung und dann auch noch durch einen ehemaligen Staatsanwalt, der aus seiner arrogant privilegierten Sicht als bürgerlicher Yuppie nichts anderes im Sinn hatte, als ein junges Mädchen für politische Zwecke zu instrumentalisieren und zu benutzen wie einen Gegenstand, mit dem man Bürger im Land dazu bewegen kann, endlich aufzuwachen und die Grenzen zu schließen, notfalls zu schießen. Die Frage, die sich doch stellt, ist, mit welchem Maße dieser Herr agiert, ob er im Falle dessen, dass der Täter Deutscher gewesen wäre, genau so mit der Forderung einer Gedenk-Schweigeminute reagiert hätte. Natürlich nicht, auch wenn er das bestreiten würde. Dass der Täter Flüchtling ist, kommt der AfD gelegen. Das muss schließlich eine Verbindung haben, das muss einfach zusammenhängen! Deutsche sind nicht kriminell, nech? Auch wenn die aktuellen und verifizierbaren Daten etwas anderes sagen: Die AfD macht es sich einfach und das Volk will einfache Lösungen. Die AfD schafft es, dass die Deutschen sich nicht eingestehen müssen, selbst für Ursachen politischer Probleme verantwortlich zu sein. Schön ist das Gefühl fürs Volk, wenn jemand anderes die Schuld trägt als man selbst. Das Märchen der Flüchtlinge, das ist ein schönes Märchen fürs Volk. Es widert mich an. Die ganze AfD widert mich an. Hoffentlich können wir sie in ein paar Jahren mal als Vogelschiss der Geschichte betrachten.

Ich wünsche der Familie der ermodeten Susanna nur das Beste, vor allem Kraft und, weder das hier noch die restlichen Texte, Artikel, Schlagzeilen und die Meinungsgrütze über ihre Tochter lesen zu müssen. 

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